Kampagne für die Reform der Vereinten Nationen 2012

Movement for UN Reform 2012

FRIEDRICH NIETZSCHE:

        フリードリッヒ ニーチェ: 

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Menschliches, Allzumenschliches, Zweiter Band, Der Wanderer und sein Schatten

284   Das Mittel zum wirklichen Frieden. (1886) Keine Regierung gibt jetzt zu, dass sie das Heer unterhalte, um gelegentliche Eroberungsgelüste zu befriedigen; sondern der Verteidigung soll es dienen. Jene Moral, weiche die Notwehr billigt, wird als ihre Fürsprecherin angerufen. Das heißt aber: sich die Moralität und dem Nachbar die Immoralität vorbehalten, weil er angriffs- und eroberungslustig gedacht werden muss, wenn unser Staat notwendig an die Mittel der Notwehr denken soll; überdies erklärt man ihn, der genau ebenso wie unser Staat die Angriffslust leugnet und auch seinerseits das Heer vorgeblich nur aus Notwehrgründen unterhält, durch unsere Erklärung, weshalb wir ein Heer brauchen, für einen Heuchler und listigen Verbrecher, welcher gar zu gern ein harmloses und ungeschicktes Opfer ohne allen Kampf überfallen möchte. So stehen nun alle Staaten jetzt gegeneinander: sie setzen die schlechte Gesinnung des Nachbars und die gute Gesinnung bei sich voraus. Diese Voraussetzung ist aber eine Inhuma-nität, so schlimm und schlimmer als der Krieg: ja, im Grunde ist sie schon die Aufforderung und Ursache zu Kriegen, weil sie, wie gesagt, dem Nachbar die Immoralität unterschiebt und dadurch die feindselige Gesinnung und Tat zu provozieren scheint. Der Lehre von dem Heer als einem Mittel der Notwehr muss man ebenso gründlich abschwören als den Eroberungsgelüsten. Und es kommt vielleicht ein großer Tag, an welchem ein Volk, durch Kriege und Siege, durch die höchste Ausbildung der militärischen Ordnung und Intelligenz ausgezeichnet und gewöhnt, diesen Dingen die schwersten Opfer zu bringen, freiwillig ausruft: »wir zerbrechen das Schwert« — und sein gesamtes Heerwesen bis in seine letzten Fundamente zertrümmert. Sich wehrlos machen, während man der Wehrhafteste war, aus einer Höhe der Empfindung heraus, — das ist das Mittel zum wirklichen Frieden, welcher immer auf einem Frieden der Gesinnung ruhen muss: während der so genannte bewaffnete Friede, wie er jetzt in allen Ländern einhergeht, der Unfriede der Gesinnung ist, der sich und dem Nachbar nicht traut und halb aus Hass, halb aus Furcht die Waffen nicht ablegt. Lieber zugrunde gehn als hassen und fürchten, und zweimal lieber zugrunde gehn als sich hassen und fürchten machen, dies muss einmal auch die oberste Maxime jeder einzelnen staatlichen Gesellschaft werden! — Unsern liberalen Volksvertretern fehlt es, wie bekannt, an Zeit zum Nachdenken über die Natur des Menschen: sonst würden sie wissen, dass sie umsonst arbeiten, wenn sie für eine »allmähliche Herabminderung der Militärlast« arbeiten. Vielmehr: erst wenn diese Art Not am größten ist, wird auch die Art Gott am nächsten sein, die hier allein helfen kann. Der Kriegsglorien-Baum kann nur mit einem Male, durch einen Blitzschlag zerstört werden: der Blitz aber kommt, ihr wisst es ja, aus der Wolke und aus der Höhe. —

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Das Gesetz von der Umkehr der Tendenzen 

Übersichtsschema zur

These von der Umkehr der Tendenzen

(ein Erklärungsmodell)

¢ English ¢ français  ¢      "Omnia sponte fluant; Absit violentia Rebus." (Johann Amos Comenius, tschechischer Theologe und Pädagoge, 1592-1670)

 

(Struktur des Erklärungsmodells:)

Erkenntnis-Schema zum Gesetz von der Umkehr der Tendenzen

          A. ERKENNTNIS DES KOMPLEXES DER GLOBALEN NOT­STÄNDE: die Acht Gefahren;

            B. ERKENNTNIS DER URSACHEN: die Vier Faktoren;

           C. ERKENNTNIS DES ZIELES: Entwicklung einer Weltgesellschaft der Freiheit, des Wohlstands und des Friedens; und

           D. ERKENNTNIS DES MÖGLICHEN WEGES, der zu diesem Ziel führt: das Acht-Punkte-Programm für zukünftige Entwicklung und Investitions-Planung.

A.        Erkenntnis des Komplexes der Globalen Notstände,

            DIE ACHT GEFAHREN:

1. HUNGER UND ELEND,

2. ARBEITSLOSIGKEIT UND INFLATION,

3. RÜSTUNG(SWETTLAUF) UND KRIEG,

4. UMWELTVERSCHMUTZUNG UND VERLUST DER LEBENSQUALITÄT,

5. ZERSTÖRUNG VON FAUNA UND FLORA,

6. SEUCHEN UND PLAGEN,

7. WÜSTENAUSDEHNUNG UND DÜRRE (SCHWINDEN DER WASSERVORRÄTE DER ERDE), und

8. TREIBHAUSEFFEKT / COOLING TREND UND ERDBEBEN.           

In vielen Ländern der Erde herrschen immer noch Armut, Ungerechtigkeit und Not. Es hat gelegentlich sogar den Anschein, als bestimme eine kriminelle Minderheit über mächtige Interessenverbände die Geschicke der Welt und damit das Schicksal der Erde. Die Ausbeutung der Natur und des Menschen gefährden Leben und Kultur. Wertvolle Ressourcen werden sinnlos verpufft. Dadurch entsteht ein ökologisches Ungleichgewicht; der Prozess des Abbaus der natürlichen Lebensgrundlagen wird beschleunigt.[1]

B.        DIE VIER FAKTOREN:

   1.      WÜSTEN UND WINDE,

   2.      FAUNA UND FLORA,

   3.      ROHSTOFFE UND BODENSCHÄTZE und

   4.      ARBEIT UND KAPITAL oder BEVÖLKERUNG UND PRODUKTIONSMITTEL).

Arbeit ist als menschliche, d.h. von Menschen verrichtete bzw. zu verrichtende Arbeit zu verstehen. Geld kann genauso wenig ‚arbeiten‘ wie das Produktionsmittel ‚Hammer‘ von sich aus, alleine etwas hervorbringt. Durch die vom Menschen programmierte und zugelassene Verselbständigung industrieller Produktionsmethoden kann allerdings eine Maschine, ein Roboter, einen Hammer schwingen und ‚von selbst‘ etwas produzieren. Rüstung tötet bereits dadurch, dass der Mensch die automatische Produktion und Anwendung zulässt. Wo eine Mehrheit solche Zustände billigt, kann Widerstand wenig ausrichten und läuft Gefahr, im Räderwerk einer gnadenlosen Maschinerie wie in Kriegen zermalmt zu werden (s. Mario Savio).

            Die vier Faktoren hängen eng miteinander zusammen. Tatsächlich zeigen die Faktoren 1. und 4. eine zunehmende und die Faktoren 2. und 3. eine abnehmende Tendenz. Arbeit und Kapital (Bevölkerung und Produktionsmittel) nehmen offenbar ebenso zu wie Wüsten und Winde, während Fauna und Flora in ähnlicher Weise reduziert werden wie Rohstoffe und Bodenschätze – eine fatale ‚Schere‘. Die vier Faktoren bedingen sich wechselseitig. Ihre Beziehungen und die Art und Weise, wie sie sich gegeneinander verhalten, kann Einblick gewähren in ökologische Zusammenhänge und dadurch eine Lösung im Sinne einer ‚Wiederherstellung‘ des ökologischen Gleichgewichts in Aussicht stellen. Unsere These lautet:

„Haben die Faktoren in ihren Tendenzen ihre jeweiligen Extreme erreicht, so kehren sie sich um.“

Es liegt hier eine Gesetzmäßigkeit vor; mit Hilfe der vier Faktoren lässt sich das Ökosystem des Planeten Erde erschöpfend (?) im Sinne einer wissenschaftlichen Kybernetik darstellen. Ganz ähnlich wird auch in den Wirtschaftswissenschaften bei­spielsweise zwischen Arbeit, Kapital und Boden unterschieden. Weitere, dynamische Faktoren sind der Mensch und die Natur mit ihrer Fauna und Flora. Gerade die natürlichen Grundlagen aber werden durch die Eigendynamik des „militärisch-industriellen Komplexes“ (Eisenhower) – wenn man so will durch ein unglückliches Zusammenwirken von Arbeit, Kapital und unausgewogener Bodennutzung – zerstört.

C.        DIE ENTWICKLUNG EINER WELTGESELL­SCHAFT DER FREI­HEIT, DES WOHLSTANDS UND DES FRIEDENS:

Dies beinhaltet im Prinzip nichts anderes als die allgemeine Erkenntnis, die auch die großen Philosophen und Religionsstifter verkündet haben, nämlich dass Leben auf der Erde, unser Leben in dieser Welt, auf diesem Planeten, einen Sinn hat, dass es ein Ziel gibt und Zwecke, die wir verfolgen können. Der Schlüssel für ein erfolgreiches Wirken in der Welt sei die Liebe. Dies gilt in Bezug auf unsere Arbeit, unsere Mitmenschen, die Natur usw. Diesem ‚Ziel‘ können wir uns aber nur durch beständige Anstrengung nähern, es aber möglicherweise nie erreichen. Der Weg ist das Ziel.

D.        DAS ACHT-PUNKTE-PROGRAMM FÜR ZUKÜNFTIGE ENTWICKLUNG UND INVESTITIONSPLANUNG:

Politische Entscheidungen sind notwendig, um sicherzustellen, dass „von den menschlichen und wirtschaftlichen Ressourcen“ der Erde auch wirklich nur „ein Minimum für Rüstungszwecke verwendet wird“ (Art. 26 der UNO-Charta), d.h. nur so viel wie absolut erforderlich, um die eigenen Landesgrenzen, die Sicherheit und den Frieden, notfalls zu schützen und völkerrechtswidrige Angriffe abzuwehren. Dann wird es auch möglich sein, „eine internationale Zusammenarbeit herbeizuführen, um internationale Probleme wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und humanitärer Art zu lösen…“ (Art. 1, Absatz 3 der UNO-Charta). Ein mögliches Zukunftsprogramm könnte die folgenden acht Punkte umfassen:

1. (Gegen Hunger und Elend:) WELTWEITE ABSCHAFFUNG DER LEBENSBEDINGUNGEN UNTER DER ARMUTSGRENZE DURCH VERTEILUNG VON GRUNDBESITZ, REICHTUM, TECHNOLOGIE UND MACHT; INTERNATIONALE GESETZGEBUNG ZUR GEBURTENKONTROLLE, GLEICHE RECHTE FÜR MÄNNER UND FRAUEN, RASSENGLEICHHEIT UND GLEICHHEIT DER CHANCEN.

2. (Gegen Arbeitslosigkeit und Inflation:) KULTIVIERUNG VON MEERESFAUNA UND -FLORA UND NUTZBARMACHUNG VON MEERESBODENSCHÄTZEN; SCHAFFUNG EINER EINHEITLICHEN WELTWÄHRUNG.

3. (Gegen Rüstungswettlauf und Krieg:) SCHAFFUNG EINER NEUEN WELTWIRTSCHAFTSORDNUNG UND EINER  OBLIGATORISCHEN  INTERNATIONALEN GERICHTSBARKEIT; GRÜNDUNG EINER AUF SUBSIDIARITÄTSPRINZIPIEN BEGRÜNDETEN WELTREGIERUNG MIT DREI HÄUSERN.

4. (Gegen Umweltverschmutzung und Verlust der Lebens­qua­lität:) ERFORSCHUNG UND NUTZBARMACHUNG VON NATÜRLICHEN ENERGIEQUELLEN WIE SONNENENERGIE, GEZEITEN-, WIND- UND GEOTHERMALKRAFT UND BIOMASSE; AUSBAU UND ERWEITERUNG DES ÖFFENTLICHEN VERKEHRSWESENS ZU LANDE, ZU WASSER UND IN DER LUFT.

5. (Gegen Zerstörung von Fauna und Flora:) WIEDERAUFFORSTUNG UND VERMEHRUNG DES WILDBESTANDES; REHABILITIERUNG DER EINGEBORENEN NATURVÖLKER UND STÄMME ALS DEN RECHTMÄSSIGEN BESITZERN UND HÜTERN DER NATÜRLICHEN WÄLDER, WILDNIS UND WÜSTEN.

6. (Gegen Seuchen und Plagen:) SCHAFFUNG EINES KOSTENDÄMPFENDEN DEZENTRALEN GESUNDHEITSWESENS, AUFKLÄRUNG ÜBER VORBEUGENDE MEDIZINISCHE VERSORGUNG, GESUNDE BIOLOGISCHE ERNÄHRUNG UND NATÜRLICHE LEBENSWEISE; RÜCKKEHR ZU BIO­DYNAMISCHEN ANBAUWEISEN UND BIOLOGISCH EINWANDFREIEN METHODEN DER SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG IN DER LANDWIRTSCHAFT DURCH AUFBAU VON SYMBIOSEN, ARBEITSINTENSIVE BEWIRTSCHAFTUNG USW.

7. (Gegen Wüstenausdehnung und Dürre:) PROJEKTE ZUR WIEDERGEWINNUNG VON WÜSTENLAND MIT HILFE DER WISSEN­SCHAFT, TECHNIK UND DER NATIONALEN UND INTERNATIONALEN ENTWICKLUNGSDIENSTE; AUSBAU UND ERWEITERUNG VON REGIONALEN BEWÄSSERUNGS- UND WASSER­TRANSPORTSYSTEMEN SOWIE EINES GLOBALEN ELEKTRIZITÄTS-VERSORGUNGSNETZES, BESTEHEND AUS MÖGLICHST KLEINEN, UMWELTFREUNDLICHEN, DEZENTRALEN VERSORGUNGSEINHEITEN.

8. (Gegen Treibhauseffekt und Erdbeben:) GRÜNDUNG VON FREIEN WALD- UND WÜSTEN-AKADEMIEN UNTER EINER INTERNATIONALEN UNIVERSITÄT ALS ZENTREN FÜR FORSCHUNG UND LEHRE; BEREITSTELLUNG UND KOORDINATION VON INFORMATIONEN UND KATASTROPHENSCHUTZ.

Das vorliegende Konzept wurde 1973/74 zuerst entwickelt und 1974 während einer Fußwanderung in einem Faltblatt in Tirupati (Südindien) gedruckt und unterwegs verteilt. Ein etwas überarbeiteter Text wurde 1977 auf der WELTVERFASSUNGSGEBENDEN VERSAMMLUNG der WORLD CONSTITUTION AND PARLIAMENT ASSOCIATION in Innsbruck (Österreich) verteilt. Text und Konzept blieben im Wesentlichen unverändert. Als ein mögliches Denkmodell kann es im Bereich der Friedens- und Umweltarbeit Orientierungshilfe sein.

Klaus Schlichtmann


[1] Vgl. Max WEBER, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Tübingen 1920, S. 203, der ausdrücklich warnt vor dem Moloch „der modernen, an die technischen und ökonomischen Voraussetzungen mechanisch-maschineller Produktion gebundenen Wirtschaftsordnung..., der heute den Lebensstil aller einzelnen, die in dies Triebwerk hineingeboren werden – nicht nur der direkt ökonomisch Erwerbstätigen -, mit überwältigendem Zwange bestimmt und vielleicht bestimmen wird, bis der letzte Zentner fossilen Brennstoffs verglüht ist. (Meine Hervorh.)

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Artikel 9

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DGVN, UN-Texte 22 (1977)